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Heide-Verein
e.V. Halle (Saale) 1929-1933
Tätigkeitsbericht
Aus dem Vorstand ausgeschieden sind der bisherige Vorsitzende unseres Vereins, Herr Dr. Curt Steckner, sein Stellvertreter Dr. Seeligmüller, sowie Herr Stadtbaurat Professor Heilmann, Herr Geheimrat Professor Dr. Abderhalden und Herr Buchdruckereibesitzer Könnecke. Alle diese Herren haben sich in den Jahren des Bestehens des Heide-Vereins freudig für die Mitarbeit zur Verfügung gestellt. Der Heide-Verein hält es für seine Pflicht, diesen Herren auch an dieser Stelle den Dank des Heide-Vereins zum Ausdruck zu bringen. Im besonderen soll dieser Dank Herrn Professor Heilmann gelten, von dem wir alle wissen, dass er der Schöpfer unseres Heide-Vereins und dessen Seele war. Viele von uns werden es als ein tragisches Verhängnis erachten, dass wir ihn nicht mehr an dieser Stelle sehen dürfen. Wir werden allen den genannten Herren ein dankbares Gedenken bewahren. Die neue Lage, in welcher sich der Heide-Verein befindet, lässt es geboten erscheinen, den Bericht, der jedes Jahr bei einer Mitglieder-Versammlung gegeben wurde, zu erweitern. Und so geben wir Ihnen heute einen Überblick nicht allein über das letzte abgelaufene Vereinsjahr, sondern über die Tätigkeit unseres Heide-Vereins überhaupt, während seines Bestehens bis zum heutigen Tage und über sein Leben in diesem Berichts-Zeitraum. Wenn wir unsern Blick zuerst auf die Mitgliedsbewegung lenken, so ist dabei folgendes zu sagen: Am 1. Januar 1933 verzeichneten wir Diesen Zahlen stehen am 1. November 1933 die
folgenden gegenüber: Es ist also ein erheblicher Ausfall, und zwar ein solcher von 59 Mitgliedern seit dem 1. Januar d.J. zu verzeichnen. Diese rückläufige Bewegung dürfte in erster Linie mit wirtschaftlichen Vorgängen in Zusammenhang stehen. Es muß als ein lebenswichtiges Gebot angesehen werden, dieser rückläufigen Bewegung in der Mitgliederzahl Einhalt zu tun und auf Mittel und Wege zu sinnen, wie dies am besten zu geschehen vermag. Wir denken dabei auch an eine Herabsetzung der Mitgliedsbeiträge, um weiteren Kreisen einen Anreiz zur Mitgliedschaft zu geben, und an eine starke Entfaltung einer neuen Werbetätigkeit. Zur eigentlichen Tätigkeit des Heide-Vereins
übergehend, sei in erster Linie vorhergestellt, dass die Arbeiten in
der Heide, im großen und ganzen gedacht, zu einem gewissen Abschluß
gelangt sind. Daß wir nach vierjähriger Tätigkeit des Vereins
dies möglich machen konnten, verdanken wir in erster Linie der Persönlichkeit,
die vorhin schon im besonderen erwähnt wurde, Herrn Professor Dr. Heilmann,
der es in ganz besonderer Weise verstand, gerade für die Stadtforsten
(Heide, Rabeninsel und Forstwerder) Gelder flüssig zu machen. Angesichts
der besonderen Verhältnisse, wie sie sich gestaltet haben, dürfte
es für die Mitglieder des Heide-Vereins von besonderem Interesse sein,
einmal zusammenhängend zu erfahren, wie die aufgebrauchten Mittel im
einzelnen verwendet worden sind. "Die Gesellschaft soll durch Mitgliedsbeiträge und durch freiwillige Spenden Mittel aufbringen, um neben den Zuschüssen der Stadtgemeinde für die Heide, Rabeninsel und Forstwerderüber das unerlässlich notwendige Maß hinaus wünschenswerte Verbesserungen und Verschönerungen in diesen Erholungsgebieten der Stadt Halle durchzuführen." Bürger und Firmen der Stadt fanden sich bereit, Mittel in den Dienst dieses sozialen Programms zu stellen. Aus den verschiedenen Kreisen fand sich bald ein Vorstand zusammen, der von dem Bestreben geleitet war, die Allgemeinheit an dem Besitze der Heide zu interessieren und an ihrer Ausgestaltung zum Volkspark durch den Verein mitzuwirken. Der Heide-Verein betrachtete es als seine besondere Aufgabe, die hallesche Bürgerschaft in eine engere seelische Verbindung mit der Heide zu bringen und damit die Liebe zur Heimat zu erwecken und den Stolz, auf eigenem Grund und Boden zu wandeln, zu entwickeln. Bei der Durchführung dieser Pläne und bei der Auffassung über ihren Charakter und ihr Wesen schien es notwendig, dass der forstwirtschaftliche Gesichtspunkt gegenüber dem forstästhetischen in den Hintergrund zu treten habe. Jedoch wurde niemals und in keiner Weise daran gedacht, etwa parkartige Anlagen zu schaffen und dadurch die forstwirtschaftliche Bedeutung des Waldes zu beeinträchtigen. Dieses Ziel lag uns völlig fern. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist die Pflege eines Stadtwaldes von der Pflege eines Waldes unter rein forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu trennen. Daher konnten wir es nicht als unsere Aufgabe ansehen, den Wald in dem Zustand zu belassen, wie dies der Staat als seitheriger Besitzer für seine besonderen Zwecke für richtig ansah oder ansehen musste. Wir waren der Meinung, dass bei der Ausgestaltung eines Stadtwaldes, der unmittelbar an der Peripherie der Stadt gelegen ist, Rücksicht zu nehmen sein auf die mancherlei Wünsche und Gewohnheiten der Stadtbewohner. Diese wollen bei jeder Witterung die Möglichkeit besitzen, ihren Wald trockenen Fußes zu betreten und ohne große Vorbereitungen hinsichtlich der Bekleidung oder Ausrüstung die Natur des Waldes aufsuchen. Den Wünschen und Erwartungen der reinen Naturgenießer sollte aber bei all solchem Bestreben in weitestgehendem Maße Rechnung getragen werden. Nur so sind die Maßnahmen zu verstehen, die sich die Heide-Verwaltung gemeinsam mit dem Heide-Verein gesetzt hatte, nämlich: Schaffung eines schönen, gepflegten und gesunden Dauerwaldes, der den Großstadtmenschen Freude und Erholung gibt, seelische und geistige Erquickung vermittelt. Unter diesem Leitgedanken begann die Zusammenarbeit
zwischen Heide-Dezernat und Heide-Verein im Jahre 1929, der kurze Zeit nach
seiner Gründung eine Mitgliederzahl von 200 aufweisen konnte. Das Programm,
wie es damals festgesetzt wurde, sah Folgendes vor: Der Stadthauptkasse konnten aus Mitgliedsbeiträgen und besonderen Spenden im Jahre 1929 erstmalig 9753.- RM zur Verfügung gestellt werden, die für die oben erwähnten Zwecke voll zur Verwendung gelangten. Im Jahre 1930 wurden für den Ankauf der im Besitze von Professor Dr. Eder, dem Herausgeber, befindlichen Heidekarte, ferner für Brunnen, Schutzhütten, Stadtplantafeln, Ausbau des Nordrandweges (Tittelweges) weitere 8221,20 RM verausgabt. Im Jahre 1931 wurden an Löhnen für die Fürsorge-Arbeiter zum Ausbau des Nordrandweges (jetzt Tittelweg) und der Wege am Waldhaus, für Heranschaffung der dazu notwendigen Baumaterialien, aus dem Heide-Steinbruch, weitere 12116,68 RM aus den Mitteln des Heide-Vereins der Stadt Halle überwiesen. Im Jahre 1932 brachte der Heide-Verein 7423,13
RM auf, die für die folgenden Arbeiten Verwendung gefunden haben: Durch die Stiftung hochsinniger Bürger Halles und durch eine besonders rege Werbetätigkeit eines Heide-Freundes war es möglich, zur Schaffung des künstlerischen Sprungbrunnens an der Heide-Spitze und für weitere Maßnahmen im Sinne der Heidepflege allein 2105.- RM aufzubringen. Stand schon das Jahr 1932 bei den Arbeiten in den Stadtforsten im Zeichen des Freiwilligen Arbeitsdienstes - es konnten zeitweise bis 300 Freiwillige beschäftigt werden - so konnte 1933 das Heide-Dezernat mit Unterstützung des Heide-Vereins im Sinne dieses großen sozialen Gedankens zahlreichen Jugendlichen Arbeit und Brot verschaffen. Es wurde damit die Möglichkeit gegeben, mit dem Ausbau des Südrandweges, Kuhkamm genannt, zu beginnen. Dieser Südrandweg bildet als Verlängerung des Harz-Club-Stieges eine Verbindung am Südrand der Heide entlang nach dem neu ausgebauten Bergmannsstieg usw. nach dem Bahnhof Heide. Durch das Einsetzen Freiwilliger des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes war es möglich, die Arbeiten auszuführen und zu vollenden. Es wurden weiter der Hertha-Teich und der Reh-Teich neu geschaffen, die zu vergessen die Waldtreppe nach dem Schwarzenberg, im Volksmund "die Himmelsleiter" genannt, und diejenige auf den Kellerberg zur Goethelinde. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben die Freilegung der Steingräber auf dem Tonberg und dem westlich sich anschließenden Höhenrücken. Zahlreiche Neukulturen konnten durch die Mittel, die vom Heide-Verein geboten wurden, gehackt und damit in ihrem Wachstum gefördert werden. Die notwenige Reinigung und Ergänzung des Grabensystems in der Heide und auf der Rabeninsel, namentlich auf der letzteren, mit dem Ziele der Mückenbekämpfung, ist durchgeführt worden. Auf der Rabeninsel, wie auch in der Heide wurde bis zur Mitte des Jahres 1932 20 alten, in der Freiheitsbewegung bewährten Frontkämpfern neben der behördlichen Fürsorge-Unterstützung Arbeit und Brot in Gestalt eines warmen Mittagessens und eines Taschengeldes gegeben. Hierzu gehören auch die Arbeiten am Naturpfad, der den Naturfreunden und - vor allen Dingen den Schulen - Gelegenheit geben soll, sich mit der Bodenbeschaffenheit, den Bäumen und der Bodenvegetation durch entsprechende Hinweise vertraut zu machen. Nicht unerwähnt soll auch bleiben die Ausführung der Brückenbauten von den Pulverweiden nach der Rabeninsel. Auch hier ist der Heide-Verein bei der Durchführung dieser allgemein begrüßten Einrichtung finanziell unterstützend eingesprungen. Fernerhin wurde die Neubenennung und Ergänzung der hauptsächlichsten Wege der Heide nach alten geschichtlichen Überlieferungen aus der engeren Geschichte der Stadt Halle in das Programm aufgenommen. Bis zur Mitte des Jahres wurden vom Heide-Verein 3959.- RM zur Verfügung gestellt. Den rein ästhetischen Arbeiten in den
Stadtforsten schlossen sich zahlreiche auf rein forstwirtschaftlichem Gebiete
an. Die Unterhaltung der Wege und sonstige Einrichtungen, die Förderung
der Kulturen, in ihrer Ausführung eigentlich weit über die Aufgaben
des Heide-Vereins hinausgehend, wurde von ihm unterstützt und gefördert. Aus diesen Darlegungen geht hervor, dass der Heide-Verein seit seiner Gründung vom Jahre 1929 an bis Mitte 1933 an Mitteln nur für bauliche Maßnahmen in den Stadtforsten insgesamt 41474,- RM aufgebracht und dem Städtischen Heide-Dezernat übergeben hat. Wir glauben der Auffassung sein zu dürfen, dass durch die Tätigkeit des Heide-Vereins in der Heide Einrichtungen geschaffen wurden, die von dauerndem Werte sind. Wenn das Thema "Kolkturm" in der Zwischenzeit nicht weiter gefördert werden konnte, so ist dies lediglich darauf zurückzuführen, dass Mittel dazu fehlten. Neben all diesen geschilderten praktischen
Ausführungen am Walde selbst, wurde eine rege Propaganda für den
schönen Besitz der Stadt Halle weit über die Grenzen der Stadt hinaus
betrieben. Neben den regelmäßig wiederkehrenden Schilderungen in
den Tageszeitungen und den maßgebenden Zeitungen von ganz Mitteldeutschland,
wurden Lichtbildwettbewerbe veranstaltet, deren bildliche Ergebnisse wiederum
zu Veröffentlichungen und Auslagen in Büchereien, Zeitschriften
usw. dienten. Als krönender Abschluß gewissermaßen erschien
am Ende des vergangenen Jahres in schöner Ausstattung ein Jahresbericht,
der die Tätigkeit des Heide-Vereins in Wort und Bild veranschaulicht
und in den Wartezimmern der Ärzte und Rechtsanwälte usw. vielfach
ausgelegt wurde. Auch die Schulen haben von diesem Schriftchen zu Lehrzwecken
regen Gebrauch gemacht. Wir meinten, es unseren Mitgliedern und der Öffentlichkeit schuldig zu sein, einen solch ausführlichen Überblick über die Tätigkeit des Heide-Vereins zu geben. Vielleicht trägt er den Charakter eines Rechtfertigungsberichtes. Der Vorstand glaubt das Bewusstsein haben zu dürfen, dass der Heide-Verein stets das hohe Ziel verfolgte, segensreich Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit zu leisten, im Sinne des Wortes, das heute so große Bedeutung erlangt hat, des Wortes: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz." Jaeger Heymann |
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