Wilhelm Heymann Stadtbaumeister in Halle unter Wilhelm Jost Vom Historismus zur Moderne? |
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Der Lebenslauf Wilhelm
Heymanns läßt sich wie ein Ausschnitt aus der Geschichte des
deutschen Bürgertums im 20. Jahrhundert lesen. Heymann wuchs in guten
Verhältnissen auf, besuchte eine Baugewerkschule, dann die Hochschule
in Darmstadt und erhielt in Frankfurt a.M. seinen ersten großen
Auftrag (Innenausbau der Reichsbahndirektion). Die neue Arbeit in Halle
(Hochbauamt) wurde durch den vierjährigen Kriegseinsatz in Frankreich
unterbrochen. Nach der Rückkehr begann Heymann in einem neuen Tätigkeitsgebiet
(Baupolizei). Er kämpfte als "Stahlhelm-Mann" gegen "Versailles"
und war vor Ort aktiv am Kapp-Putsch beteiligt. Die Versetzung in die
Heideverwaltung (1931)
und die Entlassung in den Ruhestand (1933) liessen Heymann nicht verzweifeln.
Er musste für seine Familie (drei Kinder) sorgen und die durch den
Eigenheimbau angefallenen Schulden abtragen. Heymann betätigte sich
zuerst als freiberuflicher Architekt, ab 1937 arbeitete er für die
Anhaltischen Braunkohlewerke. Daneben hielt er Vorträge an der VHS.
Mit dem Kriegsende versuchte Heymann an die Zeit vor 1933 anzuknüpfen.
Er wurde Leiter des Landeshochbaumtes in Merseburg. Die erstmalige Veröffentlichung der Kreideskizzen und Tuschzeichnungen Heymanns aus den Jahren 1914-1918 soll der Auftakt zu einer weiteren Beschäftigung mit dem bisher unbeachteten halleschen Stadtbaumeister sein. (>>zur Personalakte) |
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Die Munitions-Kolonne auf dem Marsch in Frankreich
1914-15 (rechts) |
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Beaulieu les Fontaines, Grande Ferme (Juni
1915) |
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Campagne (bei Noyon), Kirche (Juli 1915 und heute) |
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Catigny (bei Noyon), Kirche (Juli 1915) |
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Chevilly, Roggenschnitt (Juli 1915) |
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Genvry (September 1915) |
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Berlancourt (heute) |
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| Genvry, Kirche (September 1915) | Genvry, Kirche (heute) |
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Berlancourt (Dezember 1915) |
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Villeselve (8. September 1916) |
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Marquette (Juni 1917) |
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Mühle von Marquette |
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Marquette (Juni 1917) |
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Belliguies, Schloss (Oktober 1918) |
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Das Quartier des XIV. Reservekommandos |
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Aus der Personalakte Heymanns im Stadtarchiv Halle (Saale) Heymann erhielt seine Ausbildung an einer Baugewerkschule. Vom 15.10.1902 bis zum 12.7.1904 studierte er an der Großherzoglich Technischen Hochschule zu Darmstadt. Hier besuchte er im WS 02/03 die Vorlesung "Entwerfen von Gebäuden" bei Prof. Karl Hofmann (1856-1934). Im SS 03 hörte er "Bürgerliche Baukunst" bei Hartmann, "Hochbaukonstruktion III" bei Prof. Georg Wickop (1861-1914), "Städtebau" bei Prof. Friedrich Pützer (1871-1922), und "Entwerfen von Gebäuden II" wieder bei Hofmann. Die "Besprechung hervorragender Mittelalterlicher Bauwerke" im selben Semester fand bei Priv.Doz. Zeller statt. Heymann war "Architekt ohne abgeschlossene Hochschulausbildung" (91). Am 1.04.1911 trat Heymann unter Stadtbaurat Zachariae (Hochbauamt) seinen Dienst an. Zum Heeresdienst eingezogen (5.08.14), kehrte Heymann erst im Dezember 1918 aus Frankreich zurück. Seit dem 1.7.1920 Beamter in der Baupolizeiverwaltung, wurde er am 1.04.1922 zum Stadtbaumeister auf Lebenszeit ernannt. Sein direkter Vorgesetzter war Magistratsbaudirektor Leonhardt. Am 4.05.1931 versetzte ihn Oberbürgermeister Robert Richard Rive in das Tiefbauamt (Abt.2: Heidedezernat). Hier war Baurat Prof. Dr. Heilmann sein Vorgesetzter. Am 1.05.1934 entließ der neue OB Prof. Weidemann Heymann in den dauernden Ruhestand. |
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Karriereknick (I): Versetzung in die Heide Der Versetzung in das Tiefbauamt ging ein Bestechungsvorwurf voraus. Nach der Erneuerung des Hauses Reilstr. 1 und dem Neubau der Grossen Ulrichstr. 57 wollte sich der Eigentümer Sobel bei Heymann bedanken. Er ließ einen Präsentkorb mit Lebensmitteln an dessen Privatadresse schicken. Heymann nahm den Korb an. Wie die Stadtverwaltung von diesem Ereignis erfuhr, ist unbekannt. Rive sah trotz des aus heutiger Sicht geringfügigen Vergehens keine andere Möglichkeit, als Heymann zu versetzen. Die Massenarmut hätten jegliche Begünstigung städtischer Beamter zum Skandal gemacht. Der Internist Theodor Brugsch, damals Ordinarius an der Friedrichs-Universität, schrieb: "Bis zu sechzig Bettler klopften täglich an unsere Tür." (270) Heymann kommentierte am 24.4.31 seine Versetzung: "Ich frage mich, was soll ich als Architekt im Heidedezernat." Ab dem 3.05.31 arbeitete Heymann unter Heilmann. In einem Schreiben vom 24.11.32 wird Heymann als Verantwortlicher für die Forstpolizei genannt. Und kein Ende (II): Versetzung in den Ruhestand Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entschied sich der Magistrat, die ausserordentliche Stadtbaumeisterstelle in der Heideverwaltung einzusparen (31.05.1933). Dies stieß auf Heymanns Protest. Heilmann setzte sich für den Erhalt der Stelle und den Verbleib Heymanns ein. Stadtbaurat Wilhelm Jost entgegnete am 5.07.33: "Ich kann den Ausführungen über die Notwendigkeit eines so verhältnismäßig hoch bezahlten Beamten in der Heideverwaltung nicht zustimmen." Jost setzte sich jedoch für eine Weiterverwendung Heymanns innerhalb der Stadt ein. Am 23.06.33 schrieb Heilmann dem OB Weidemann: "Ich bitte ergebenst, Herrn Stadtbaumeister Heymann in seiner Stelle, in die er sich vorzüglich eingearbeitet hat, zu belassen." Parallel zu den Anstrengungen seiner Vorgesetzten setzte sich Wilhelm Heymann vehement für seinen Verbleib ein. Als hallescher Führer des Stahlhelms und "Mann der Einwohnerwehr" in den frühen 20er Jahren sei er "in den Stadtverordnetenversammlungen damaligen Systems (...) oft erwähnt" worden. Es sei eine Unmöglichkeit, ihn, "...nach einem in jeder Beziehung nationalen und sozialen Leben...", in den Ruhestand zu versetzen. "Frontkämpfer und in der nationalen Bewegung tätige Beamte", schrieb Heymann am 7.12.33, kämen für eine Pensionierung nicht in Frage, "wenn die zahlreichen Verfügungen (...) der Regierung richtig verstanden werden sollen (184). In einem Gesuch an Reichsarbeitsführer Franz Seldte (1882-1947) erinnerte Heymann an seinen Eintritt in den Stahlhelm am 14.9.19 und appellierte : "Die Stadt hätte (...) einen allezeit deutschgesinnten Beamten und Frontkämpfer von rein arischer Rasse vernichtet." Seldte, neben Theodor Duesterberg (1875-1950) Verbandsführer des Stahlhelm seit 1925, schrieb daraufhin an den Magistrat: "Hinzu kommt, dass die Verdienste des Stahlhelm-Kameraden Stadtbaumeisters Heymann bei den Kämpfen um Mitteldeutschland und in seiner Eigenschaft als Angehöriger der Einwohnerwehr für eine weitere Berücksichtigung sprechen dürften." |
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Wir
danken Herrn Dr. Horst Heymann (Trotha) für die Erlaubnis, die
Zeichnungen seines Vaters "auszustellen".
Die Personalakte wurde im Stadtarchiv Halle (Saale) eingesehen. Die Angaben
zur TH Darmstadt wurden frdl.weise durch Herrn Ulrich Bücholdt (Bochum)
ergänzt. Sollten Sie Abbildungen nutzen oder aus dem Text zitieren wollen, bitten wir um vorherige Nachfrage unter 0345/20369685 oder contact@ifhas.de. |
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