Schwarz-Rot-Goldene Patrioten in Halle (Saale) - 3.10.02
Tag der deutschen Einheit 2005 - Reden, Dokumentation und Bilder
Max Duncker
Rudolf Haym
Alex Möller
Robert Prutz

Adolf Reichwein
Walther Schreiber


Berichterstattung in der Presse
Der Vorsitzende der IfHaS e.V., Norbert Böhnke, präsentiert den Eichenkranz in der Rathausstraße 6 (Sparkasse),
2.10.02, 22:30h

Auszug aus dem am 2.10.02 vor der Marktkirche verteilten Flugblatt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus Anlaß des Tages der Deutschen Einheit hat die Initiative für Halle und den Saalkreis (IfHaS) e.V. beschlossen, fünf Orte festlich zu schmücken. An diesen Orten wohnten "schwarz-rot-goldene Patrioten". Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland beseelten sie. IfHaS e.V. möchte damit darauf hinweisen, dass die Bundesrepublik Deutschland eine freiheitliche und demokratische Vorgeschichte hat. Der ehemalige Bundespräsident Gustav W. Heinemann schrieb 1975 im Geleitwort zur Neuherausgabe der Schriften Robert Prutz´: "Unsere Demokratie bedarf der Verankerung in eigener schwarz-rot-goldener Tradition."

Schwarz-rot-goldene Eichenkränze schmücken während des Tages der Deutschen Einheit fünf Orte. Wenn Sie den Feiertag zu einem Spaziergang nutzen wollen, warum besuchen Sie dann nicht einen oder mehrere dieser Orte? Hier lebten und arbeiteten die Patrioten.

Max Duncker (15.10.1811 - 21.7.1886), Rathausstraße 6
Duncker, gebürtiger Berliner, studierte in Berlin und Bonn Geschichte und Philologie. 1834 promoviert, mußte er 1837 wegen Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft sechs Monate in Festungshaft. 1839 konnte er sich in Halle als Privatdozent für Geschichte in Halle habilitieren. 1848 war er der Abgeordnete der Stadt Halle in der Paulskirche (Casinopartei), 1850 im Erfurter Parlament. Er war Mitarbeiter an der "Constitutionellen Zeitung" und an den "Preußischen Jahrbüchern". 1859 arbeitete er als Leiter der Zentralpreßstelle im Preußischen Staatsministerium. Als Anhänger Bismarcks schuf er in dessen Auftrag einen Entwurf für die Norddeutsche Bundesversammlung. 1871 vertrat er Halle im neu konstituierten Reichstag.

Rudolf Haym (5.10.1821-27.8.01), Am Kirchtor 8
Der gebürtige Schlesier Haym nahm 1839 das Studium der Theologie an der Vereinigten Friedrichsuniversität Halle-Wittenberg auf. Bald darauf wechselte er zur Geschichte und Philologie. In der Gaststätte Weintraube nahe Giebichenstein hielt er - neben Max Duncker - 1846 öffentliche Reden über Lessing und Hutten. 1848 wurde Haym in die Paulskirche gewählt und gehörte hier der Erbkaiserlichen Partei an. Haym schrieb zeitgleich mit den Ereignissen die Geschichte der ersten deutschen Nationalversammlung (3 Bd.). Sie ist noch heute lesenswert und für den Forscher unverzichtbar. 1850 habilitierte Haym in Halle, wurde Redaktionsleiter der "Constitutionellen Zeitung" und übernahm 1858 die Redaktion der "Preußischen Jahrbücher".

18. März 1848: "Noch in Halle erfuhr ich die Ereignisse, wie sie uns stündlich berichtet wurden, und fand mit meinem "Hoch auf die wackeren Berliner Bürger" begeisterten Beifall bei der in der Bahnhofshalle versammelten Menge. Daß die nächste Sorge darin bestehen müsse, daß die Fluth, nachdem sie den Absolutismus beseitigt, nicht auch das Königthum hinwegspüle, leuchtete mir sehr ein..."
Rudolf Haym: Aus meinem Leben, 1902, S.179

Alex Möller (26.4.1897 - 2.10.1985)
Kurfürstenstraße 73, EG (heute: Feuerbachstraße)
"Am 26. April 1903 in Dortmund geboren. Nach dem Studium mehrere Jahre Journalist. Dann Arbeit im Versicherungsbereich. Immer wieder in führenden Positionen - zuletzt als Generaldirektor der Karlsruher Lebensversicherung. Seit 1922 in der SPD. Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Halle-Merseburg. Verfolgt im Dritten Reich. (…) Alex Möller zählte schon bald zu den Spitzenpolitikern der SPD. Im Bundestag und in der Bundesregierung. Möller war von 1969 bis Mai 1971 Bundesfinanzminister."
(Klappentext der Memoiren)

"Was die Beteiligung an der staatlichen Willensbildung anbelangt, so kommt es in der Demokratie wesentlich darauf an, möglichst alle Bürger politisch zu mobilisieren. Vorraussetzungen hierfür müssen politische Gleichheit und Beachtung der eigenen Freiheitsgrenzen sein, ohne die ein demokratisches Staatswesen nicht vorstellbar ist. (…) Im demokratischen Selbstverständnis sind freiheitliche Grundauffassungen und freiheitliche Rechtsnormen wesentliche Voraussetzungen, von denen aus eine allgemeine und individuelle Bestimmung des Maßes und Umfanges persönlicher Verantwortung vorgenommen wird."
Alex Möller: Genosse Generaldirektor, 1980, S. 532f

Robert Prutz (30.5.1816 - 21.6.1872), Große Steinstraße 17
Prutz, geboren in Stettin, hatte Klassische Philologie in Berlin, Breslau und Halle studiert. In Halle gehörte er zum Kreis der Jung-Hegelianer, der in Arnold Ruge und dessen Halleschen Jahrbüchern sein Zentrum hatte. Prutz veröffentlichte regimekritische Gedichte ("Der Rhein", 1840; "Dem Könige von Preußen", 1842), was zum Scheitern zweier Habilitationsversuche (Jena, Halle) führte. 1849 wurde er als außerordentlicher Professor für Literaturgeschichte nach Halle berufen. Der gemäßigte Liberale verließ Halle 1858.

"Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen,
Sie wird von außen nicht erstrebt,
Wenn nicht zuerst sie selbst tief innen,
Im eignen Busen dich belebt.
Willst Du den Kampf, den großen, wagen,
So setz zuerst dich selber ein;
Wer fremde Fesseln will zerschlagen,
Darf nicht sein eigner Sklave sein."

Freiheit (1845)
"...und wo eine wahrhaftige Regierung sein will, da muß sie auch eine Opposition wollen." - "Wer die Welt bessern will, der muß sich zunächst auf sie einlassen; wer unsere Zustände fortbilden und entwickeln will, der muß sie selbst zunächst als vorhanden anerkennen." - "Auch die freieste Constitution, auch die volksthümlichste Verfassung (...) können an sich kein Volk glücklich machen, sobald das Volk selbst nicht versteht oder nicht im Stande ist, die Form zum Wesen, den Buchstaben zur That, die geschriebene Freiheit zur wirklichen zu erheben."
Robert Prutz: "Über die gegenwärtige Stellung der Opposition in Deutschland" (1846)

Adolf Reichwein
(3.10.1898-20.10.44), Landrain 144

"Adolf Reichwein war in den Jahren der Weimarer Republik Leiter der Volkshochschule Jena, persönlicher Referent des preußischen Kultusministers C.H. Becker in Berlin und Professor an der Pädagogischen Akademie in Halle/Saale. Als SPD-Mitglied von den Nazis aus dem Hochschulamt entfernt, wirkte er in der Zeit des NS als Dorfschullehrer und als Museumspädagoge am Volkskundemuseum in Berlin. Seine persönliche Integrität und unermüdliche Schaffenskraft ließen ihn auf vielen Gebieten als Anreger, Reformer und Förderer wirken. Als Sozialist und `planetarischer Europäer´ war er entschiedener Gegner des NS. 1944 wurde er als Mitglied der Widerstandsgruppe `Kreisauer Kreis´ verhaftet und zum Tode verurteilt." (Amelung: "…in der Entscheidung gibt es keine Umwege", 1999)

"Ein Volk im Stadium entfalteter Verkehrswirtschaft und weit differenzierter Produktion kann nicht mehr autoritär regiert werden, sondern ist nur noch auf dem Grund autonomer Verantwortung jedes einzelnen zu führen."
Adolf Reichwein: Pädagogische Akademien - Gefahr im Verzug (1931)

Walther Schreiber
(10.6.1884 - 30.6.1958), Neuwerk 10

Schreiber studierte Jura und ließ sich in Halle als Rechtsanwalt nieder. Hier wurde er nach der Novemberrevolution Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Während des Kapp-Putschs war Schreiber Zivilkommissar der verfassungsmäßigen Regierung. Seit 1919 war Schreiber Mitglied des Preußischen Landtags, von 1925 bis 1933 Preußischer Minister für Handel und Gewerbe. Nach dem Krieg gründete er am 22.7.45 im Theater am Schiffbauer Damm gemeinsam mit Andreas Hermes die Christlich-Demokratische Partei (CDU). 1947 bis 1952 Landesvorsitzender der CDU Berlin (West), war er 1953/54 Regierender Bürgermeister des westlichen Teils der geteilten Stadt.

"Wenn die schmerzlichen Erfahrungen, die hinter uns liegen, dazu führen, dass alle in Zukunft sich bemühen, den Volksgenossen, auch wenn er der politische Gegner ist, besser zu verstehen, die Ziele des anderen zu bekämpfen, aber seine Gesinnung zu achten, dann ist die Prüfung, die unserem Volk und insbesondere unserer Stadt auferlegt war, nicht vergeblich gewesen."
Walther Schreiber: Die Revolution in Halle: Meine Tätigkeit als Zivilkommissar , 1920, S.39